Yello - Wanderer zwischen den Klangwelten

aus event. Maiausgabe #167

Von Thomas Clausen. Mit Kulthits wie „The Race“, „Oh Yeah“ oder „Bostich“ haben Yello in den vergangenen 40 Jahren einen großen Teil zur Entwicklung der elektronischen Popmusik beigetragen. Nachdem sich die beiden passionierten Klangforscher Dieter Meier und Boris Blank im vergangenen September schon auf ihrem aktuellen Studioalbum „Toy“ in Höchstform präsentierten, sorgte das Schweizer Duo wenig später mit den aller ersten Livekonzerten in seiner bisherigen Karriere für jede Menge internationales Aufsehen. Im kommenden November gehen die beiden exzentrischen Electro-Avantgardisten nun auf ihre erste große Tournee. Zuvor gewährten Yello event. einen kleinen Blick in ihre Welt.

 

 

 

Obwohl Yello seit fast vier Dekaden existiert, waren Sie bisher nie auf Tour zu erleben.

 

 

 

Boris Blank: Wir sind vor 36 Jahren ein einziges Mal in New York bei einer Präsentation aufgetreten, bei der wir einen einzigen Song gespielt haben. Ich gehe lieber in Konzerte von anderen Künstlern, statt selbst aufzutreten. Bisher war mir die Idee zuwider, sich zwei Typen anzuschauen, bei denen der eine einen Laptop, und der andere ein Mikro vor sich hat, beide mit dem Hintern wackeln und vorgeben, live zu spielen. Diesmal haben wir ein tolles Set mit Livemusikern, Gastsängerinnen und Visuals entworfen, das einen im buchstäblichen Sinne bewegt. Alles hat einen opernhaften Charakter, den man sonst nicht zu sehen bekommt.

 

 

 

Dieter Meier: Wir waren uns im Vorfeld nicht sicher, ob wir nur ein paar Shows, oder eine ganze Tournee spielen wollten. Es hat uns selbst überrascht, wie gut alles geklappt hat. Boris ist auf der Bühne der Komponist und der Dirigent für die auftretenden Livemusiker. Er ist das musikalische Herz. Ich bin „nur“ der Sänger.

 

 

 

Sie erschaffen mit Ihren Songs ein ganz eigenes Universum. Jeder Track ein kleiner Schöpfungsprozess!

 

 

 

Dieter Meier: Boris zeigt mir seine Klangbilder auf dem Computer. Er erschafft mir Klangräume, in denen ich umher wandeln kann. Ich begebe mich in diese Welten hinein und versuche, aus dem Nichts heraus Melodien und Lyrics zu entwickeln.

 

 

 

Es wird erzählt, Sie hätten eine ganz besondere Art, zu schreiben?

 

 

 

Dieter Meier: Alles, was ich schreibe, bringe ich entweder per Hand oder auf meiner „Hermes Baby“-Schreibmaschine aus den 60ern zu Papier. Vor elf Jahren habe ich einen Kurzgeschichtenband dieses Namens veröffentlicht, seither schicken mir unsere Fans ihre alten Schreibmaschinen zu. Schreiben ist für mich eine Art Hassliebe, bei der einen die Grenzen der eigenen Möglichkeiten direkt angaffen.

 

 

 

Sie beschreiben Dieter Meier als Transitmenschen, der immer auf der Durchreise ist. Er beschreibt Sie als einen überzeugten Perfektionisten. Ein Traumpaar?

 

 

 

Boris Blank: Definitiv ein gegensätzliches Paar. In kreativer Hinsicht bin ich das Gegenteil eines Perfektionisten. Kreativität hat immer mit Chaos zu tun. Erst, wenn es um Songstrukturen und die räumliche Tiefe eines Liedes geht, muss man sehr perfektionistisch sein. In der Küche ist er zum Beispiel ein absoluter Perfektionist, der beim Kochen sofort hinter sich putzt und aufräumt. Ich bin unordentlicher. Allerdings habe ich in meiner Unordnung ein System. Dieter kommt gerne an, geht aber auch gerne wieder. Ich bin eher ortsbezogen.

 

 

 

Dieter Meier: Ausschlaggebend für unsere Symbiose ist, dass Boris quasi in seinem Studio lebt. Das ist seine Welt, dort kann er seiner Phantasie freien Lauf lassen. Ich lebe in der realen Welt und bin nur von Zeit zu Zeit Gast in seiner Sphäre. Es würde nicht zwischen uns funktionieren, wäre ich ebenso besessen wie er. Er spielt mir seine neuen Songs dann vor, wenn er es für richtig hält. Manchmal muss ich fünf Jahre warten, bis ich neue Stücke zu hören bekomme. Ich kann nicht nur sehr gut damit leben, sondern bin sogar froh, wenn ich nicht allzu oft ins Studio gerufen werde.

 

 

 

Ihr Kollege Boris Blank sammelt Klänge und Beats – was sammeln Sie?

 

 

 

Dieter Meier: Ich sammle Gebrauchsgegenstände wie antike Teekannen, handgeschmiedetes Zeug, Stühle und vieles mehr. Dinge, die eine Funktion haben, aber beseelt sind. Ich werfe nie etwas weg. Ich habe 40 Jahre alte Jacketts und 50 Jahre alte Paar Schuhe. Außerdem liebe ich Mottenlöcher und Verschleißspuren. Dadurch bekommen Dinge erst ihren Charakter.

>Termine: 31.8.-9.12. u.a. Berlin, Frankfurt, Hamburg, München

 


Judith Holofernes - "Es war zauberhaft"

aus event. Märzausgabe #165

Von Roland Aust. Die Wir-Sind-Helden-Sängerin hat mit „Ich bin das Chaos“ (ab 17. März im Handel erhältlich) ihr inzwischen zweites Solo-Album am Start, an dessen Entstehung der Songwriter und Multiinstumentalist Teitur von den  Färöer Inseln maßgeblich beteiligt wart. Wir durften ein sehr erfrischendes Gespräch mit Judith Holofernes über das neue Album und natürlich über die Live-Umsetzung führen.

Dein neues Album fängt ja ziemlich düster an, „Der letzte Optimist“ feiert ja geradezu die Hoffnungslosigkeit.

Ich habe wochenlang, wenn nicht sogar einen Monat lang an der Reihenfolge der Songs getüftelt. Ich hatte immer das Gefühl, dass sich die Gesamtgeschichte ändert, je nachdem, wie ich die Songs anordne. Darüber bin ich fast verrückt geworden. Am Ende hat mir das so am besten gefallen, relativ gnadenlos mit dieser Dunkelheit einzusteigen und dass es dann auf eine etwas lustige und fast verquere Art mit „Oder an die Freude“ wieder hell wird. Abgesehen davon ist mir „Der letzte Optimist“ sehr lieb in seiner Dunkelheit und ich wollte, dass er einen sehr exponierten Platz bekommt. Einen exponierteren gab‘s nicht!

Stehen denn reale Personen oder Erlebnisse hinter den Figuren in Deinen Songs?

Ja, teilweise schon. Aber es war bei mir schon immer so, dass sich die Leute, über die ich singe, aus mehreren und auch aus Teilen von mir zusammensetzen. Das merke ich aber immer erst hinterher und bin dann ziemlich überrascht. Ein halbes Jahr später stelle ich dann gerne mal fest: „Jaja, von wegen ‚Lisa‘! Das ist doch wieder ein Teil von mir.“

Also auch eine Art Selbsttherapie

Ich finde es immer sehr therapeutisch, Songs zu schreiben, und zwar in einem sehr positiven Sinn. Neulich habe ich „Oh Henry“ wieder gehört und hatte plötzlich das Gefühl: „Das ist jetzt vorbei.“ Also Kern und Gefühl des Songs sind inzwischen nicht mehr präsent oder zumindest nicht mehr so oft. Das ist kein Zufall, sondern hat damit zu tun, dass ich den Song geschrieben habe.

Die Songs hast Du ja zusammen mit Teitur, einem Musiker von den Färöer Inseln, geschrieben. Wie kam es denn dazu?

Das war ganz zauberhaft, wir sind verkuppelt worden. Ich bin schon seit Jahren Teitur-Fan und halte ihn für einen der besten zeitgenössischen jungen Songwriter, weil er viele Dinge vereint, die ich wichtig finde: Er ist lustig und gleichzeitig traurig, kann tolle Geschichten erzählen. Ich hatte einen Song von ihm, „Catherine The Waitress“, übersetzt und bei meinen letzten Konzerten als „Jonathan der Kellner“ gespielt. Das hat sein Manager mitbekommen, uns verkuppelt und auf einmal saßen wir beide verlegen in einem Café in Kreuzberg. Und sind sofort aufeinander angesprungen, es war nicht Freundschaft, sondern Geschwisterschaft auf den ersten Blick. Es ging also sehr schnell, dass wir uns dicke angefreundet und auch ganz viele Songs zusammen geschrieben hatten.

Wie lief das Songwriting ab?

Wir waren zuerst eine Woche hier in Berlin, dann war ich eine Woche auf den Färöern. Die Sprachbarriere ist natürlich unleugbar da, aber Teitur kann gut genug Deutsch, um auch die sprachlichen Feinheiten zu bemerken. Manche Songs habe ich auf Deutsch mit fertigem Text und Melodie mitgebracht, die wir dann ausgearbeitet haben. In diesen Fällen hat er die Übersetzungen von mir bekommen. Dann habe ich einige englische Texte mitgebracht und manche Stücke haben wir komplett zusammen geschrieben. Dadurch hatte er schnell ein Gefühl dafür, wie ich schreibe und konnte sich gut hineinfinden. Am Ende konnte Teitur dann sogar richtig gut Deutsch, weil er ja auch bei den Studioaufnahmen durchgehend dabei war.

Und auf die Tour kommt er auch mit?

Ja, er ist als Gast mit dabei, spielt einige seiner eigenen Songs und ist natürlich auch in meiner Band. Darüber freue ich mich besonders, weil ich nicht gewusst hätte, wie wir das alles auf der Bühne ohne so einen Multifunktionswahnsinnigen reproduzieren sollten.

Wie voll wird es denn auf der Bühne, auf der Platte sind ja zum Beispiel auch Bläser mit dabei?

Da haben wir uns dagegen entschieden, sonst wären da drei Bläser und vier Streicher zusätzlich auf der Bühne gewesen. Dieses „Imaginary Doomsday Orchestra“, das wir uns für die Platte ausgedacht hatten, hat sowieso eher einen synthetischen Anteil. Wir wollten ein Orchester erfinden, das immer leicht neben einem normalen Orchester klingt. Und live wollten wir diese Emotion auf eine andere, noch freakigere Art erzeugen.

Du hast gesagt, dass Du „Ich bin das Chaos“ auch als ein Musical siehst …

Das war jetzt kein Konzept. Ich habe nur relativ früh gemerkt, dass sich die Figuren aus den Songs, also der „Analogpunk“, „Lisa“ und „Charlotte“, wie in einem Episodenfilm über den Weg laufen könnten. Dabei müssten sie sich nicht unbedingt kennenlernen, bewohnen aber die gleiche Welt. Wobei einzelne Songs auch in einer etwas phantastischeren, poetischeren und schrägeren Welt spielen könnten.

Als musikalische Referenzen gibst Du unter anderem die Breeders, Nick Cave, die Cramps und Cyndi Lauper an. Sind solche Referenzen für Dich überhaupt noch relevant?

Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wann ich das gesagt habe. Ich vermute, dass diese Namen eher gefallen sind, wenn wir über etwas Spezifisches bei der Produktion geredet haben, nach dem Motto, an der Stelle bei „Lisa“ soll das nach Marvin Gaye klingen. Und das sind vermutlich auch Referenzen, die außer mir, Teitur und Pola kein Mensch nachvollziehen kann. Bei Cyndi Lauper weiß ich sogar noch, wo es herkommt: Es ging um die 80er-Jahre und „Ich bin das Chaos“ und hier speziell um „All Through The Night“. Oder bei „Oder an die Freude“ habe ich gesagt: „Ich will etwas zwischen De La Soul und Boy George.“

Nochmal zur Tour: Hattest Du wirklich geglaubt, du kommst mit sieben Konzerten, wie sie ursprünglich angekündigt waren, durch?

Nein, im Gegenteil, ich hatte ursprünglich den diabolischen Plan mindestens doppelt so viele zu spielen. Aber es war nicht so einfach zu planen, weil wir wussten, dass Teitur mitkommen soll. Es war ein ziemliches Getüftel, damit er auch wirklich bei allen Konzerten dabei sein kann, deswegen liegen die auch so weit auseinander. Aber wir haben es hinbekommen und freuen uns drauf.

>Termine: 15.03. Frankfurt, 16.03. Leipzig, 17.03. Wien, 18.03. München, 20.03. Köln, 21.03. Berlin, 22.03. Hamburg, 24.04. Hannover, 25.04. Dresden, 27.04. Bremen, 28.04. Stuttgart, 29.04. Freiburg


Jeff Lynne / ELO - "Ich bin eine Studio-Ratte"/Der Bart des Propheten

aus event. Dezemberausgabe #151

Von Marcel Anders. Vollbart, Afro-Frisur und angewachsene Sonnenbrille: Als Mastermind des Electric Light Orchestra zählte Jeff Lynne zu den erfolgreichsten Songwritern der 70er und 80er. Dann verlegte er sich aufs Produzieren von Superstars wie George Harrison, Tom Petty oder den Beatles. Jetzt, mit 67, wagt der Studiotüftler ein Comeback als Musiker – und denkt sogar an eine Welttournee.

 

event.: Herr Lynne, ein Stern am Hollywood Walk Of Fame, ein Auftritt bei den Grammys und ein Konzert im Londoner Hyde Park – erleben Sie bzw. E.L.O. eine überfällige Renaissance?

 

Jeff Lynne: (lacht) Ja, endlich erinnern sich die Leute an mich! Und in den letzten Jahren hat die Musik wirklich einen riesigen Popularitätsschub erlebt. Das begann mit der BBC, die plötzlich anfing, meine alten Songs zu spielen. Was fantastisch ist, denn bis vor 15 Jahren habe ich nicht gerade wenige geschrieben. (lacht)

 

Haben Sie eine Erklärung für diese Entwicklung?

 

Es muss an meinem Bart liegen, denn Bärte sind wieder angesagt. Aber im Ernst: Ich genieße das neuerliche Interesse viel zu sehr, als dass ich es groß hinterfragen möchte. Es ist einfach toll, dass man mir wieder einen Plattenvertrag angeboten hat, und ich dieses Album veröffentlichen darf.

 

Dafür haben Sie sogar Ihre erfolgreiche Zweitkarriere als Produzent zurückgestellt?

 

Na ja, ich habe nebenbei noch mit Bryan Adams gearbeitet, was ein großer Spaß war. Denn wir haben das so gemacht, dass er zwischen seinen vielen kleinen Tourneen, die er so bestreitet, immer mal wieder in sein Heimstudio gegangen ist, und mir dann Songs per Internet hat zukommen lassen. Was für mich etwas vollkommen Neues war. Denn ich bin ein altmodischer Produzent, der viel Wert auf Räume legt und keine Spielereien mag. Ich liebe es knochentrocken und direkt ins Gesicht. Aber er hat mir einfach seine Demos gemailt, ich habe sie bearbeitet, dann hat er den Gesang darüber gelegt, und ich habe es gemixt. Trotzdem klingt es, als wäre es an einem Ort entstanden. Was irre ist…

 

Auf „Alone“ In The Universe“ agieren Sie dagegen als klassische One Man Band. Wird Ihnen das nie zu langweilig?

 

Nein! Ich bin eine Studio-Ratte, und dieses Album war der größte Spaß, den ich je hatte. Einfach, weil ich alles alleine spielen konnte. Und im Studio habe ich unendliche Möglichkeiten. Das einzige, was mich da stoppen könnte, ist ein Mangel an Fantasie, wovon ich mehr als genug habe – ich liebe es, mit einem Sound herumzuspielen, ihn mit anderen zu kombinieren und auf diese Weise etwas Neues zu schaffen. Also etwas, das man nie hinbekommen würde, wenn man alles ganz traditionell machen wurde. Ich orientiere mich da an den frühen Beatles, die gleichzeitig Gitarre und Klavier spielten, was einen fantastischen Sound ergab.

 

Worum geht es Ihnen mit E.L.O. 2015 – ist es immer noch die Kombination aus Rock/Pop mit Elementen der klassischen Musik?

 

Nein! (lacht) Da sind nur noch zwei kurze Passagen, in denen Streicher zum Einsatz kommen. Und das sind nicht einmal echte, sondern elektronische. Der Grund, warum ich den alten Ansatz aufgegeben habe, ist dass ich keine Lust mehr hatte, mich mit den Musikergewerkschaften rumzuärgern. Die waren früher so strikt, dass sie sofort eine komplette zweite Session berechnet haben, wenn man die erste nur um eine Minute überschritten hat. Was sie ein paar Mal an mir durchexerziert haben, und absolut ärgerlich war. Doch das haben sie jetzt davon: Jeder kann ein Orchester mit einem Finger spielen – und genau das tue ich.

 

Trotz der Technik hat das Ergebnis einen sehr nostalgischen Charme. Bewusst?

 

Oh ja, es ist garantiert nostalgisch – wenn auch nicht vom Klang her. Der ist so modern, wie er nur sein könnte. Aber die Songs an sich haben ein starkes 60s Feeling – einfach weil das eine tolle Zeit war, mit viel Kreativität, starken Visionen und Mut zum Experimentieren. Es ging nicht nur ums Geld, sondern auch um Kunst. Was ich sehr vermisse.

 

Typisch E.L.O. sind dagegen die Texte. „Dirty To The Bone“ folgt zum Beispiel der Tradition von „Evil Woman“ – es handelt von einer Dame, mit der man sich besser nicht anlegen sollte.

 

Wahrscheinlich ist es sogar dieselbe wie in „Evil Woman“…

 

Das meinen Sie nicht ernst?

 

Doch, doch. (lacht) Leider kann ich das nicht weiter ausführen, wenn sie verstehen, was ich meine. Nur so viel: In meiner aktuellen Beziehung ist alles OK. Ich bin seit zwölf Jahren mit meiner Freundin zusammen und wir haben keinerlei Probleme. Es ist nur so, dass mir manchmal nichts Besseres einfällt – und ich dann bei meiner Ex-Frau lande.

 

Und wie erklären Sie Ihrer Freundin Camelia Kath die bedrückende Einsamkeit, die in Stücken wie „When The Night Comes“ oder „Alone In The Universe“ mitschwingt?

 

(lacht) Ganz so schlimm ist es nicht. Ich habe nur überlegt: Was ist das Einsamste, das du dir vorstellen kannst? Und das ist ganz klar, alleine durchs Universum zu fliegen. Also wie Voyager 1, die das Sonnensystem verlassen hat und in den interstellaren Bereich vorgedrungen ist. In meinem Song ruft die Rakete beim Space Center an und fragt, ob sie nicht Voyager 2 raufschicken könnten – es würde langsam ein bisschen langweilig da oben. (lacht) Das ist zwar einsam, aber auch ziemlich romantisch.  

 

Im Frühjahr 2016 gehen Sie auf Welttournee – bringen Sie auch wieder ein Raumschiff auf die Bühne?

 

Leider nein, weil das in der Vergangenheit viel zu aufwändig war. Das Raumschiff, das wir Ende der 70er dabei hatten, war so schwer, dass wir dafür vier Trucks brauchten. Deshalb wird es diesmal eine LED-Show, wenn auch eine richtig große. Also vergleichbar mit der, die wir im Hyde Park hatten. Dabei habe ich mich wohler gefühlt, als bei jedem Konzert, das ich je gespielt habe. Es war einfach ein tolles Erlebnis, das ich gerne ein paar Mal wiederholen würde

 

>Termin: 5.5. Oberhausen, König-Pilsener-Arena


SILBERMOND - Emotionen bis in die letzte Reihe

aus event. Novemberausgabe #150

Von Roland Aust. Nach drei Jahren Pause erscheint Ende November mit „Leichtes Gepäck“ das fünfte Studioalbum der Band aus Bautzen und ab Mai gehen Silbermond dann endlich wieder auf große Deutschland-Tournee. Wir haben mit Stefanie Kloß und Drummer Andreas Novak über das neue Album und den Tour-Alltag der Band gesprochen.

 

event: Ihr habt kürzlich gesagt, dass die Aufnahmen zu Eurem letzten Album „Himmel auf“ anders waren, als die vorhergehenden. Und dass die Frage im Raum stand, ob Ihr überhaupt noch ein Album aufnehmen wollt. Was hättet Ihr gemacht, wenn es nicht mehr zu „Leichtes Gepäck“ gekommen wäre?

Andreas: Da ist ja so ähnlich, wie wenn man in einer Beziehung ist. Es sind keine kompakten Prozesse, sondern schleichende. Man sagt sich ja nicht, wenn ich mich jetzt trenne, welchen Partner nehme ich als Nächstes. Man ist ja vielmehr mit diesem Schritt beschäftigt, ob das jetzt passiert – und hinterfragt in so einer Zeit extrem viel. Wir waren dann auch nicht soweit in dem Prozess mit der Band.


event: Aber es war schon eine ernste Situation?


Stefanie: Wir sind eine Band, seitdem wir 14 sind. Wenn wir als Silbermond einen Satz sagen wie: „Es war nicht ganz klar, ob es eine nächste Platte geben wird, oder nicht“, dann ist das nicht lapidar dahergesagt. Der Grund war nicht nur die Aufnahmen zu „Himmel auf“, sondern vielmehr die Anhäufung von Kleinigkeiten in den vergangenen zehn Jahren, auch Sachen, die uns überfordert haben, wo wir sagen mussten, dass wir uns da zu viel zugetraut haben. Wir haben uns um zu viele Sachen selbst gekümmert, die uns und auch das Team überfordert haben. Wir haben uns auch zu wenig selber hinterfragt, ob wir das überhaupt noch so wollen. Ist der Weg noch der richtige oder wollen wir noch mal etwas anderes ausprobieren, wie fühlt sich jeder damit? Das alles hat während der Aufnahmen zu „Himmel auf“ nur seine Spitze gefunden. Wie Andreas gesagt hat, es ist wie in einer Beziehung, in der sich Sachen einschleichen und man denkt sich: „Vielleicht muss das so nach fünf oder sechs Jahren auch so sein.“ Am Ende stellt man dann fest: „Das fühlt sich doch nicht gut an! Es kann doch nicht so sein, dass das so sein muss.“ Das war die Situation, in der wir ernsthaft darüber nachdenken mussten, wie es weitergeht. Die Einzelnen sind auch innerlich aus dem Gleichgewicht geraten. Wenn es im Team nicht mehr so stimmt, man sich mit dem Management nicht mehr einig ist, es zu viele unterschiedliche Ansichten gibt, welchen Weg die Band in Zukunft nehmen soll, dann ist es an der Zeit, Entscheidungen zu treffen. Wenn wir als Band im Kern nicht mehr mit uns im Reinen sind, wird auch nichts Kreatives draus entstehen. Am Ende war alles so angespannt, überfrachtet, so überwichtig. Jede kleinste Anfrage war wichtig, und wir dachten, wenn wir das jetzt nicht machen, bricht alles zusammen. Da fragt man sich natürlich, wie es sich dahin entwickeln konnte, dass wir so einen krassen Anspruch an uns selber hatten. Das waren nicht mehr wir, und das wollten wir auch nicht mehr sein.

 

event: Ihr habt das Album in Nashville aufgenommen. Warum denn gerade in Nashville?


Stefanie: Andreas? Ich will da nicht immer so vorgreifen!

Andreas: Nee, ich kann mich auch zurückhalten (lacht).

Stefanie: Nachdem wir uns entschieden hatten, alles auf den Tisch zu packen, was es im Moment so anstrengend macht, auch wenn es wehtut, mussten wir einen Weg finden, dass es für uns wieder entspannt und cool wird. Es gab dazu etliche lange Gespräche, wir überlegten, was uns in unserer Kreativität hemmt, warum es uns keinen Spaß mehr macht. Daraus resultierte unter anderem auch die Entscheidung, einen neuen Produzenten auszuprobieren, was sich während der vierten Platte auch schon als so eine Art stilles Einverständnis zwischen unserem Produzenten und uns eingeschlichen hatte. Alle hatten gemerkt, dass die Zusammenarbeit nicht mehr so spritzig war, die Schmetterlinge hatten sich schon längst auf die Wiese gesetzt und ein bisschen ausgeruht. Das kreative Hin und Her hatte gefehlt, was einen ja anspornt und die Songs bereichert. Wir hatten auch zehn Jahre in demselben Studio mit demselben Produzenten aufgenommen, hatten nie ein anderes Studio gesehen. Wir hatten uns regelrecht eingeigelt, hatten nichts von außen zugelassen. Und fast schon Angst vor einer anderen Umgebung, vor anderen Studios, weil wir das gar nicht kannten. Das war einer der Punkte, die wir herausgefunden haben. Wenn Du an anderen Orten mit mehreren kreativen Leuten zusammen bist, kann dich das unglaublich bereichern. Also war das mit dem Produzenten klar und wir probierten ein, zwei Leute aus. Schließlich sind wir zu Alex und Moritz gekommen. Alex ist ein Freund von uns, den wir schon als mehr als zehn Jahren kennen, der auch als Songwriter sehr erfolgreich ist und schon die eine oder andere Band produziert hat. Moritz Enders ist eigentlich Mischer und hat bereits für Kraftklub oder Caspar gearbeitet. Für uns war die Kombination super, auf der einen Seite jemand, der versteht, wie eine Band arbeitet. Wir hatten damit jemand, dem wir sehr frühzeitig unsere Demos geben konnten, damit er uns Feedback gibt und gleichzeitig jemand, den wir kennen und dem wir vertrauen. Und auf der anderen Seite Moritz als Soundprofi, der im Studio eine eigene große Rolle gespielt hat und letztendlich auch unsere Platte abgemischt hat. Das hat uns geholfen als Band wieder zusammenzukommen. Es sollte wieder eine Platte als Band werden und die Jungs wollten versuchen, sie zusammen einzuspielen. Und dafür brauchst du die besten technischen Voraussetzungen, ein Studio, wo das möglich ist. In Deutschland ist das mit den Studios so eine Sache, immer mehr Bands haben nicht mehr das Geld für ein professionelles Studio. Eigentlich reicht ja ein Laptop und ein bisschen Hardware. Das wirkt sich auch auf die Studiobesitzer aus, es wird immer schwieriger Studios zu halten und zu unterhalten. Das sieht in Nashville ganz anders aus. Alex hatte als Songwriter bereits in dem Studio in Nashville gearbeitet und kannte das. Er meinte dann: „Hey Leute, lasst uns dahin fahren, in unserer neuen Konstellation, als neues Team. Wir machen unsere Vorproduktion in Berlin, fahren mit einem genauen Plan nach Nashville und nehmen dort in zwölf Tagen auf. Ein geiles Schlagzeug, eine geile Gitarre, einen geilen Bass, die Basics, die einfach wieder nach Musikern klingen.“ Ich hab dann in Nashville wieder gehört, was für gute Musiker die Jungs sind, wie toll die zusammenspielen. Das vergisst man ja auch wenn man so lange zusammen ist.

Andreas:Ich hätte jetzt einfach gesagt, wegen Acht-Zylinder-Motoren und Whisky. (lacht)

Stefanie: Dann wäre das erledigt gewesen, die Mädels müssen immer drumrum reden. (lacht)

 

event: Du singst: „Es reist sich besser mit leichtem Gepäck.“ Wieviel nehmt Ihr persönlich mit?


Andreas: Soviel wie nötig, so wenig wie möglich. Das ist unser Plädoyer.

Stefanie: Was unsere Bühnenklamotten angeht, sind wir wirklich unkompliziert. Ich bin ja nicht jemand, der alle drei Songs das Outfit wechselt. Da reichen eine schwarze Hose und ein schwarzes Shirt.

Andreas: Obwohl man zugeben muss, dass das nicht so ganz stimmt. Auf der letzten Tour waren sechs oder sieben Trucks unterwegs. Wobei das gar nicht so viele Gitarren und Amps sind, musikalisch sind wir sehr kompakt. Es passieren ja auch immer mehr Fehler, je mehr Kabel unterwegs sind.

Stefanie: Aber mit den großen Bühnen haben wir die Entscheidung getroffen, die Emotionen trotzdem bis in die letzte Reihe zu tragen. Deshalb haben wir uns für Leinwände entschieden, die in die Bühne integriert sind. Ich finde das eine ganz gute Lösung, aber klar, das Equipment muss auch erst mal transportiert werden. Aber das mit dem „Leichten Gepäck“, das kann man nicht von heute auf morgen machen, darauf muss man hinarbeiten. Aber wenn man den Ansatz in sich trägt, passiert schon mal etwas. Seitdem wir den Song geschrieben haben, ist es verrückt, was es mit uns im Kleinen macht.

Andreas: Ich hab keinen Fernseher mehr, der ist weg. Damit auch der Automatismus, sich auf die Couch setzen und zwei Stunden berieseln zu lassen. Obwohl es ja auch gute Sachen gibt, wie Froschdokus, oder über Vögel des Monsuns. (Stefanie lacht). Nein ist wirklich interessant, es gibt da den Pfeilgiftfrosch, eines der giftigsten Tiere ...

 

event: Im Song „B 96“ singst Du von der Heimat. Wie oft bist Ihr noch zu Hause in der Heimat?


Andreas: Es geht nicht unbedingt um Heimat, sondern um das Gefühl von Zuhause.

Stefanie: Für mich ist das ein sehr persönlicher Song, weil es um meine Kindheit geht. Ich bin in einem Dorf in der Nähe von Bautzen an der B 96 aufgewachsen und das sind die Beschreibungen des Dorfes. Das Rapsfeld, das Hoftor, das meine Schwester schon ewig nicht mehr reparieren lässt, die Scheune. Es sind eben auch viele Kindheitserinnerungen, mein Vater ist gestorben, als ich 18 war. Nach seinem Tod wollte meine Schwester das Haus behalten, sie konnte es nicht übers Herz bringen, unsere Kindheit jemand anders zu überlassen. Das war zu der Zeit, als wir mit der Band nach Berlin gegangen sind. Es ist bisschen absurd, ich sehe sie heute dort mir ihrer kleinen Familie und es war eine doch recht aufgewühlte Kindheit. Ich habe aber auch einen kritischen Blick darauf, wenn ich sehe, wie sich das Dorf in schwierigen Phasen verhält. Auf der einen Seite die große Gemeinschaft, und auf der anderen Seite steht dann doch keiner vor dem Hoftor, wenn es mal schwierig wird. Es ist ein ambivalentes Gefühl, dieses Nachhausekommen, das geprägt ist von total schönen Erinnerungen und davon, wie sehr ich es genieße, mit meiner Schwester zusammen zu sein. Und auf der anderen Seite ist es dann auch schön, wieder zu fahren.

 

event: Es geht auf dem Album viel um Entschleunigung. Wann habt Ihr das letzte Mal ein Album durchgehört?


Andreas: Ich habe zu Hause eine alte Musiktruhe mit Plattenspieler und da hab ich „Tristan und Isolde“ von Richard Wagner aufgelegt.

 

event: Respekt! Du hast die Oper durchgehört?


Andreas: Nein, leider nicht, die Truhe ist kaputt gegangen, wohl eine Sicherung. Aber es ist geil, du sitzt da und kannst nicht skippen. Man ist zu faul, aufzustehen und den nächsten Song zu spielen. Da hört man zwangsweise richtig hin. Radom oder so etwas gibt es da nicht. Vielleicht hätte ich die Platte auch gar nicht durchgehört, das sind ja vier oder viereinhalb Stunden. Aber ich mag den ersten Teil so gerne, vor allem diesen „Tristan-Akkord“. Der ist zwischen Dur und Moll, da gibt keine Definition.

Stefanie: Ich hab mir zuletzt die neue Platte von Boy durchgehört. Toll! Und ich habe Oh Wonder entdeckt! Ich steh natürlich auch auf leichte Mucke, wenn man abends sitzt und ein Weinchen trinkt. Ich hab bestimmt schon zwei oder drei Mal dieselbe Platte gehört, das kommt selten vor.

 

event: In „Das Leichteste der Welt“ singst Du „Ich kann kaum mehr schlafen, ohne irgendwas zu nehmen“. Was nimmt man als Band on tour so?


Andreas: Auf der letzten Tour haben wir alle nichts getrunken, da waren wir ein bisschen asketisch.

Stefanie: Dazu muss man sagen, wenn einer von uns (meistens Andreas) mit etwas anfängt, dann sagen die anderen beiden aus Prinzip: „Das machen wir jetzt auch.“ Einfach, weil sie ihn ärgern wollen. Andreas hat zum Beispiel 2012 auf der Tour gesagt, dass er jetzt alkoholfreies Bier trinkt und am Ende saßen wir dann alle bei der Autogrammstunde mit alkoholfreiem Bier.

Andreas: Man hat aber natürlich auch eine Verantwortung – wenn da 10.000 Menschen vor der Bühne stehen, willst du ein gutes Konzert geben. Da kann man sich am Tag vorher nicht vollsaufen. Ich hatte das einmal, da waren wir in einem Hotel, in dem der Wirt selbstgebrannten Schnaps ausgegeben hat. Ich bin nicht ganz sicher, ob da nicht Ethanol drin war. Das war echt schlimm, deswegen: alkoholfreies Bier!


event: Und wie kommt man nach dem Konzert wieder runter, entschleunigt?

Andreas: Ich hab vorgeschlagen, dass wir im Tourbus klassische Musik hören sollten. Stefanie hat eingeschlagen und bei der nächsten Tour wird im Tourbus klassische Musik gespielt, das wird uns sehr gut runterbringen. (Zu Stefanie:) Aus der Nummer kommst Du jetzt nicht mehr raus!


Termine:

10.05. Hannover, TUI Arena
12.05. Hamburg, Barclaycard Arena
13.05. Kiel, Sparkassen Arena
14.05. Dortmund, Westfalenhalle I
16.05. Erfurt, Messehalle
17.05. Nürnberg,Arena Nürnberger Versicherung
18.05. AT-Wien, Wiener Stadthalle D
21.05. München, Olympiahalle
22.05. Stuttgart, Hanns-Martin-Schleyer-Halle
24.05. Mannheim, SAP Arena
25.05. CH-Zürich, Hallenstadion
27.05. Frankfurt/M., Festhalle
28.05. Berlin, Wuhlheide
24.06. Köln, Tanzbrunnen
27.08. Dresden, Filmnächte am Elbufer



aus event. Oktoberausgabe #149

 

HARTMUT ENGLER [PUR]

"Sogar ich gelte inzwischen als ein bißchen cool"

 

 

Von Thomas Reitmair. Ein Interview mit Hartmut Engler, dem Frontmann von PUR, ist eine ebenso angenehme wie professionelle Angelegenheit. Engler ist ein ungemein aufmerksamer und höflicher Gesprächspartner, pflegt keinerlei Allüren und ist eine ehrliche (und sympathisch leicht schwäbelnde) Haut. Und außerdem ist er gerade mächtig stolz auf das neue Pur-Album „Achtung“ …

 

 

 

event.: Neues Album, neue Promo-Tour. Wie fühlt es sich diesmal an?

 

Hartmut Engler: Derzeit wirklich gut. Ich spüre ja deutlich Rückenwind, denn seit der Ausstrahlung von „Sing meinen Song“ gelte ja sogar ich als ein bisschen cool (lacht). Diese Produktion war ohnehin eine glückliche Fügung, ohne die hätte sich die Zusammenarbeit mit Xavier Naidoo nicht ergeben …

 

 

… der seinen Auftritt auf dem Song „Wer hält die Welt“ hat. Als ihr das aufgenommen habt, war ja die eigentliche Produktion von „Achtung“ im Prinzip schon abgeschlossen …

Ja, das stimmt, aber wenn sich so eine Gelegenheit ergibt, dann muss man auch einfach was draus machen. Das wäre doch schade, so eine Chance nicht zu nutzen.

 

 

Wo würdest Du „Achtung“ im inzwischen ja doch ziemlich umfangreichen Pur-OEuvre einordnen, und was hältst Du für die besonderen Aspekte daran?

Ich finde, es steckt noch mehr von uns selber drin als früher. Einfach, weil wir inzwischen auch komplett selbst für die Produktion verantwortlich sind, und Ingo (Reidl) und Martin (Ansel) als Produktionsteam ihr Niveau noch gesteigert haben. Ich denke „Achtung“ ist eines der ganz starken PUR-Alben.

 

 

Was muss eigentlich passieren, damit die Band sich wieder zu einer Album-Produktion zusammenfindet? Wer gibt da das Signal?

Wenn Du Dir unsere Biographie anschaust, dann kannst Du sehen, dass wir inzwischen in einem regelmäßigen Drei-Jahres-Rhythmus unsere Studio- Alben veröffentlichen. Das hat natürlich viel mit den damit verbundenen Tourneen zu tun. Wenn Du durch die großen Hallen touren willst, dann bedeutet das alleine schon mal etwa eineinhalb Jahre Vorlauf, dazu die ganze Logistik, die Crew, der ganze Apparat. Wir sind eben auch ein mittelständisches Unternehmen und als solches müssen wir sorgfältig und präzise planen …

 

 

Wie plant man denn bitte neue Songs und Texte?

Wir sind eben fleißig (lacht). Wir haben ja Ruhephasen und da arbeitet man an neuen Ideen, Skizzen und Demos. Und ich versuche neue Anregungen für Texte zu finden, indem ich zum Beispiel sehr viel lese. Vor der Produktion von „Achtung“ habe ich mich viel mit buddhistischer Philosophie befasst und wie man diese in unseren hektischen westlichen Alltag einbringen kann. Das floss dann auch indirekt in den Titelsong ein …

 

 

Wie entscheidet sich eigentlich, ob und wann ein Song als Pur-Song in Euer Repertoire eingeht?

Ganz einfach: Wenn er uns allen gefällt.

 

Produziert Ihr viel Ausschuss?

(lacht) Ach weißt Du, früher sind wir schon mal mit nur 13 Songs ins Studio gegangen und die sind dann auch allesamt auf dem entsprechenden Album gelandet. Heute haben wir schon ein bisschen mehr Auswahl …

 

 

Wie würde eigentlich das imaginäre Pur-Album klingen, auf dem Ihr ganz kompromisslos machen würdet, was ihr wirklich wollt? Ihr geltet ja z.B. als beinharte Genesis-Fans …

Es würde eben ganz genau wie ein Pur-Album klingen. „Achtung“ ist wirklich genauso geworden, wie wir das wollten, auch was den Sound angeht. Es klingt moderner und trotzdem nach uns. Es ist nach wie vor die Liebe zur Musik, die uns antreibt …

 

 

Glaubst Du, dass sich die Wirkung Eurer Songs im zeitlichen Kontext verändert hat? Als ihr vor ca. 20 Jahren euren großen Durchbruch hattet, waren die Zeiten ja vergleichsweise optimistisch, heute herrscht ja eher ein Gefühl der Auflösung und des Untergangs …

Für mich kann Musik beides sein, sowohl ein Medium das die jeweiligen Stimmungen einfängt als auch ein Mittel der Flucht aus der bedrückenden Realität. Aber unabhängig davon machen einem solche Entwicklungen natürlich in erster Linie klar, wie unglaublich bevorzugt man eigentlich selber lebt …

 

 

Glaubst Du, dass Lieder etwas verändern können?

In einem kleinen, individuellem Rahmen ganz sicher.

 

 

Letzte Frage: Denkt man nach all der Zeit eigentlich auch mal ganz konkret über das Aufhören nach?

Als Ingo und ich 50 geworden sind haben wir uns tatsächlich mal zusammengesetzt, und darüber gesprochen, wie die weitere Zukunft aussehen könnte. Und haben dann beschlossen, dass wir in jedem Fall weitermachen wollen, bis wir 60 sind. Das wäre dann bis etwa 2020/21 - und dann schauen wir mal …

 

 

Termine: 5.12.-19.12. u.a. Berlin, Hannover, Köln; 20.4.-10.5. u.a. Düsseldorf, Lingen, Magdeburg

 


aus event. Oktoberausgabe #149

 

MAX GIESINGER

„Wir wollen gegen den Strom schwimmen“

 

 

Von Roland Aust. Bei The Voice Of Germay 2012 belegte der Karlsruher den vierten Platz und konnte mit der Single „Dach der Welt“ die Top-20 knacken. Doch statt mit dem Erfolg im Rücken auf den Musikindustrie- Zug aufzuspringen, hat Giesinger die Dinge lieber selber in die Hand genommen und sein Debüt in Eigenregie produziert. Jetzt soll der Nachfolger angegangen werden. event. sprach mit dem 26-Jährigen über den aktuellen Stand und seine Tour im kommenden Dezember.

 


event.: Du hast Dein aktuelles Album per Crowdfunding- Kampagne finanziert. Wäre da nicht auch ein großes Label gewesen, das Dich unterstützt hätte?

Max Giesinger: Wir haben gar nicht groß geguckt, ob es da eine große Plattenfirma gegeben hätte. Bei einem Major wirst Du ja fallen gelassen, wenn die erste Single floppt. Wir wollten das lieber organisch aufbauen, wie wir das mit den Konzerten die vergangenen drei, vier Jahre schon geschafft haben. Ich bin ein Freund davon, wenn man das langsam, in einer gesunden Geschwindigkeit aufbaut. Und wenn es bei einem Major-Label nicht klappt, läufst du auf verbrannter Erde.


Dafür muss man sich bei einer eigenen Produktion vermutlich um viel mehr kümmern ...
Das war auch megastressig, ohne Hilfe hätte ich das auch nicht hinbekommen. Dafür ist man danach umso stolzer, wenn man die Platte in der Hand hat. Und dann war das Album ja auch noch einigermaßen erfolgreich. Wir waren danach noch drei Wochen auf Wohnzimmertournee, das war dann auch sehr witzig, da kommt man richtig nah an die Leute ran und gewinnt Fans fürs Leben. Und bekommt hinterher noch einen Kuchen ...


Wie weit bist Du denn mit Deinem neuen Album?
Ich habe fast ein Jahr lang für die Platte geschrieben und bin mit dem Songwriting durch. Das Album wird auf jeden Fall mehr Eier haben als das letzte, noch mehr auf den Punkt und hie und da mal rockiger. Und dann haben wir noch ein paar 80ies-Synthieflächen benutzt. Aber es gibt auch noch ein paar Songs, die eine Hinleitung auf die alte Platte sind, ich wollte keine 180-Grad-Wendung hinlegen.


Du gehst ja bereits vor der Veröffentlichung mit den neuen Songs auf Tour. Normalerweise macht man das ja andersherum, oder?

Wir wollen da mal ein bisschen gegen den Strom schwimmen. Ich finde, man sollte wenigstens einmal im Jahr auf Tour gehen und dabei können wir gleich sehen, wie sehr die neuen Songs ankommen, eine Art Preview mit vier oder fünf Liedern. Nächstes Jahr wollen wir dann noch mal auf große Tournee gehen, mit mehr Städten.


Ist die Band die gleiche, mit der Du im Studio zusammenarbeitest?

Ja, das ist meine feste Band, mit den Jungs toure ich schon seit vier Jahren. Das sind alles sehr gute Kumpels. Ich bin kein Fan davon, die Band alle Jahre mal durchzuswitchen. Ich glaube, die Leute merken auch, dass wir ein festes Team sind. Die Band ist auch im Studio am Sound beteiligt, unser Schlagzeuger Lars ist eigentlich eine Rocksau, obwohl ich ja jetzt keinen Hardrock mache. Steffen, unser Gitarrist, ist eigentlich ein alter Blueser und Klaus ist einfach ein geiler Keyboarder mit sehr viel taste. Da kommt also nochmal viel von der Band.


Auf was freust Du Dich besonders bei der kommenden Tour im Dezember?

Am meisten eigentlich auf die Fans! Man kennt inzwischen auch schon viele, ich bin gespannt, ob noch einige neue dazukommen. Aber auch darauf, die neuen Songs zu spielen. Ich hab jetzt schon einige bei meinen letzten Gigs gespielt und hatte da einen Riesenspaß dran, jetzt auch mal E-Gitarre zu spielen!


Termine: 14.12.- 27.12., u.a. Berlin, Hamburg, Köln


aus event. Septemberausgabe #148


CROSBY, STILLS & NASH
Die letzten Hippies

 

 

Von Marcel Anders. Knarren, Knast, Drogen und Weltfrieden: Bei niemandem liegen Genie und Wahnsinn so dicht beisammen, wie bei David Crosby, der ergrauten Ikone der amerikanischen Hippie-Bewegung. Ein rundlicher, älterer Herr, der alles erlebt und vor allem überlebt hat – aber immer noch für geballten Idealismus steht.


event.: Herr Crosby, Sie sind jetzt 74. Ist das Alter eine Furcht einflößende oder womöglich sogar eine angenehme Erfahrung?
David Crosby: Es ist schon ein bisschen Furcht einflößend. Und ich mag es nicht. (lacht) Ich ziehe es vor, stark zu sein und gut zu funktionieren. Aber je älter du wirst, desto schwieriger ist das.

 

Ist David Crosby ein Überlebender der 68er Bewegung – und hat er eine Erklärung, warum er so viele seiner Zeitgenossen überdauert hat? Trotz aller Exzesse …
Nein, und das habe ich mich oft gefragt. Denn es macht keinen Sinn, dass ausgerechnet ich überlebt habe – während zig Leute gestorben sind, die weitaus talentierter waren. Warum also gerade ich?

 

Wie viel Missbrauch haben Sie betrieben?
Eine Menge. (lacht) Nur: Ich werde schon lange nicht mehr high. Erst recht nicht, bevor ich spiele. Ich rauche nicht mal mehr Pot. Einfach, weil ich irgendwann gemerkt habe, dass ich halt doch besser klinge, wenn ich nüchtern bin. Sprich: Dann erledige ich einen viel besseren Job. Denn gute Musik zu machen erfordert einfach, dass du dich ihrer in dem Moment, da du sie spielst, vollauf bewusst bist. Und ich bin nüchtern garantiert viel besser als stoned. Das weiß ich aus Erfahrung.

 

Warum liegen Genie und Wahnsinn gerade bei Künstlern so dicht beisammen?

Gute Frage. Warum fehlt da die Balance? (lacht) Ich bin mir nicht sicher, worin der Zusammenhang besteht, aber er ist definitiv vorhanden. Und es sollte definitiv leichter sein, gute Musik zu machen. (lacht)


Was macht einen Song zum David-Crosby- Solo-Stück, was zu einem CSN- oder CSN&Y Stück?
Ganz ehrlich? Ich habe keine Ahnung. Es ist einfach mit jedem Song anders, und jeder bestimmt seinen eigenen Pfad. Ich kann nicht wirklich sagen, was die Indikatoren dafür sind. Aber bei einigen Stücken habe ich halt das Gefühl, sie unbedingt selbst, im Sinne von alleine, singen zu wollen. Wie „If She Called“, den ich vor ein paar Jahren in Belgien geschrieben habe. Da hatte ich von Anfang an das Gefühl, dass ich das alleine angehen sollte. Und bei anderen Stücken – auch bei solchen, die zur selben Zeit entstanden sind – ist es wiederum ganz natürlich, dass ich sie mit der Band angehe. Und zwar ohne dass ich dafür irgendwelche festen Parameter benennen könnte. Für mich – und für alle anderen Leute, die ich im Musikgeschäft respektiere – sind gute Songs einfach der Schlüssel zu allem, der Dreh- und Angelpunkt. Hast du einen, der bei einem willkürlich ausgewählten Zuhörer ein starkes Gefühl evoziert, dann hast du dein Ziel erreicht. Dann hast du den Kern der Sache gefunden. Aber wenn du keinen echten Song hast, kannst du das Ganze noch so polieren und aufblasen – es ist und bleibt ein Haufen Dreck. Ganz egal, wie ambitioniert die Produktion ist.

 

Und was erwartet uns auf Ihrer kommenden Tournee mit Stills und Nash?
Jede Menge guter Musik! Wir lassen die Gedanken fliegen – und zwar so hoch und so weit, wie sie nur können. Wir bieten den Leuten die Gelegenheit, für ein paar Stunden aus ihrem Alltagsgefängnis auszubrechen und wieder ganz sie selbst zu sein: Nämlich menschliche Wesen mit Gefühlen, mit Visionen und mit Träumen. Die kann man bei uns in brüderlicher und schwesterlicher Atmosphäre ausleben.


Das klingt, als würde Woodstock leben?
Na ja, nicht so sehr Woodstock, aber doch der Geist der 68er. Einige sind immer noch von ihm beseelt. Und das sind nicht die schlechtesten Menschen auf Erden.


Termine: 6.10. Stuttart, 7.10. Berlin


aus event. Juniausgabe #145

 

SARAH CONNOR

"Ich weiß inzwischen sehr genau, was ich will!"

 

 

Von Thomas Reitmair. Eine fünf Jahre währende Album-Pause hat sich Sarah Connor gegönnt und das waren nicht einfach nur Sabbat-Jahre, sondern hier hat eine echte kreative Zäsur stattgefunden. Das Ergebnis heißt „Muttersprache“, ein selbsterklärender Titel, denn hier gibt es erstmals deutsche Texte, die wie die Songs von Connor selbst verfasst wurden. Ein neuer Ansatz also und in mancher Hinsicht auch eine neue Connor ...


event.: Diese Promo-Tour dürfte nach über fünf Jahren Pause etwas ganz Besonderes sein. Wie fühlt sich das an?

Sarah Connor: Die macht schon Spaß, ich hatte auch bislang ganz nette Interviewpartner. Aber nach einer gewissen Zeit wird man schon ein bisschen verrückt dabei – wie früher (lacht). Der große Unterschied ist natürlich, dass ich jetzt über meine eigenen Songs und Geschichten spreche …


Schildere uns doch bitte eine kleine Chronologie der Ereignisse!

Zuerst habe ich eine Weile nichts gemacht, was mit Schreiben oder Produktion zu tun gehabt hätte. Ich habe zwischendurch noch ein paar Konzerte gespielt, dann bin ich ein bisschen gereist. Ich wollte keinen Druck, zum Beispiel von einer Plattenfirma …


Aber kann Dir Deine Plattenfirma heute überhaupt noch Druck machen?

(lacht) Heute ist das eher andersherum! Ich weiß inzwischen sehr genau, was ich will, aber ich bin auch nicht beratungsresistent. Ich bin ja auch darauf angewiesen, dass alle motiviert sind und an das Projekt glauben …

 

Und das ist alles Neuland: Du interpretierst zum ersten Mal Songs und Texte aus eigener Feder. Und das in deutscher Sprache!

Ich habe während meiner Pause einfach gespürt, dass ich das versuchen muss. Einfach weil ich glaube, dass das viel schneller und besser verstanden wird und intensiver rüber kommt. Ich bin inzwischen überhaupt nicht mehr kompromissbereit, wenn es um meine eigenen Inhalte und Songs geht. Und was immer noch in Zukunft von mir kommt, muss mir dann auch etwas bedeuten!


Englische Texte werden in Deutschland ja eher als Teil des Sounds, des Pop-Idioms, wahrgenommen …

Ja genau! Wenn Du einen englischsprachigen Song hörst, dann entscheidest Du eben anhand der Harmonien, der Atmosphäre oder der Instrumentierung, ob Du das magst oder nicht. Wenn man auf Deutsch singt, kommt man um eine Personifizierung mit dem Inhalt nicht herum - und der muss klar und intensiv sein!


Da gibt es natürlich auch die verschiedensten Ansätze. Sollte man Deine Texte als persönliche Statements begreifen, oder siehst Du Dich eher als Geschichtenerzählerin?

Beides. Es sind Geschichten, die aus persönlichen Erfahrungen entstanden sind. Ich versuche, nicht allzu viel in Metaphern zu schreiben. Ich überlege mir eigentlich immer, wie ich meine Aussage in einem direkten Gespräch formulieren würde und versuche, von diesem Punkt aus zu schreiben. Aber vieles passiert gar nicht so bewusst. Wenn ich einen Song habe, dann entwickle ich erst einmal Melodiefragmente, indem ich in einem Fantasie- Englisch darüber singe und daraus entsteht dann nach und nach ein Text. Da kann alles Mögliche einfließen, Dinge, die mich halt gerade beschäftigen. Meistens sind das erst mal nur ein paar Zeilen, die ich dann sammle und archiviere …


Das hört sich nach einem ziemlich zeitintensiven Prozess an …

Och, das ging eigentlich. Die Zeit davor war viel langwieriger, also der Prozess, dieses Selbstbewusstsein zu entwickeln, diese Ideen wirklich zuzulassen und diesen Weg wirklich gehen zu wollen. Also tatsächlich zu diesem Punkt zu kommen, an dem man sich sagt: „Das ist wirklich genau das, was ich machen möchte!“ und das dann auch konsequent umzusetzen. Ich hatte diesen großen Luxus, meine Lieder so zu schreiben und zu produzieren, wie ich das wollte, ohne jetzt gleich an den nächsten Hit denken zu müssen. Wenn es ums Hits schreiben geht, fehlt mir ohnehin die Erfahrung, die haben bislang andere für mich geschrieben! (lacht)


Das klingt, um es ganz überspitzt auszudrücken, wie die Transformation von der Entertainerin zur Künstlerin …

Nun ja, ich habe nicht umsonst diese Pause gemacht. Meine Haltung hat sich schon ein wenig verändert. Heute müssen eben die Inhalte der Songs für mich stimmen, und wenn dann ein Hit dabei ist, dann ist das natürlich auch schön. Aber diese Art von Ehrgeiz und Erfolgsdenken steht heute nicht mehr im Vordergrund. Ich hatte zehn Jahre lang eine richtig erfolgreiche Karriere, aber da kamen eben auch manche Aspekte zu kurz. Ich war ständig auf Tour, im Studio und so weiter. Aber zum Beispiel eine Beschäftigung damit, was eigentlich inhaltlich auf meinen Platten passiert, hat gar nicht stattgefunden – damals musste das wahrscheinlich auch gar nicht sein, ich war vor allem Popstar mit großer Stimme. Aber irgendwann hat mir das nicht mehr gereicht. Ich habe meinen damaligen Plattenvertrag damals ganz bewusst nicht verlängert, weil ich Abstand gesucht habe. Und wenn ich für „Muttersprache“ keine Plattenfirma gefunden hätte, dann hätte ich es halt selbst gemacht. Dann würde ich heute Straßenkonzerte singen und die CD aus dem Bauchladen heraus verkaufen (lacht).


Gutes Stichwort, wird schon an der Live-Umsetzung gearbeitet?

Ja, ich probe schon fleißig mit der Band und freue mich riesig auf die kommenden Konzerte. Wir werden auch die alten englischen Sachen mit einfließen lassen …


An denen führt kein Weg vorbei

(lacht) Das sind ja auch schöne Songs, die mich schon lange begleiten. Ich hege ja keinen Groll gegenüber meiner Vergangenheit und es wäre ja auch irgendwie gemein, die nicht mehr zu spielen. Ich finde das ja auch selber doof, wenn ein Künstler die alten Sachen, in die man sich verliebt hat, nicht mehr spielen will …

 

Termine: 14.9.-21.9. u.a. Hamburg, Berlin, Leipzig, Stuttgart und 1.3.-24.4., u.a. Berlin, Hannover, Köln


aus event. Juniausgabe #145


Stephan Thanscheidt von FKP Scorpio Konzertproduktionen zum

HIGHFIELD FESTIVAL

 

"Man müsste das Rad zur Hälfte neu erfinden …“

 

Von Thomas Reitmair. Das Highfield hat sich seit 1998 als Deutschlands vielleicht wichtigstes und möglicherweise schönstes Festival in Sachen Indie und Artverwandtes etabliert – das konnte auch der Umzug 2009 vom Stausee Hohenfelden (= Highfield) zum Störmthaler See nicht aufhalten. Das Highfield ist inzwischen eine Marke und wie man sich dies erarbeitet, um es dann erfolgreich weiterzuführen oder gar auszubauen, verrät uns einer der Verantwortlichen, nämlich Stephan Thanscheidt, Managing Director und Head of Festivalbooking bei FKP Scorpio Konzertproduktionen.


 

event.: Stephan, wie darf man sich Dein Tätigkeitsfeld so vorstellen?

 

Stephan Thanscheidt: Ich bin zum Beispiel für das Line-up des Highfield- Festivals verantwortlich. Als Geschäftsführer bin ich der Booking- Leiter aller Festivals, die wir hier in Deutschland und Europa veranstalten.

 

Das Highfield ist musikalisch breit aufgestellt, von Punk bis Clueso. Inwiefern spiegelt sich da Dein persönlicher Geschmack?


Davon muss ich mich relativ freimachen. Wir machen alle möglichen Arten von Festivals und da muss sich der persönliche Geschmack einfach unterordnen. Ich freue mich immer, wenn er mal Einzug halten darf, das steht aber hinten an. Es geht sehr darum, die Festival-Marke herauszuarbeiten, den musikalischen roten Faden zu finden, der das Profil des Festivals ausmacht. Das Highfield ist sehr breit aufgestellt, aber natürlich wählen wir sehr genau aus.

 

Das Format „Festival“ hat ja in den letzten Jahren noch einmal einen echten Boom erlebt. Hat das konkrete Auswirkungen aufs Booking, wird es schwerer, seine favorisierten Acts zu engagieren?


Es gibt einen sehr, sehr großen Wettbewerb zwischen den Festivals, aber das ist schon seit 15 Jahren so. Und da gibt es natürlich diesen Konkurrenzkampf um die richtigen Bands …

 

Dazu braucht es dann wohl auch eine gewisse Künstleranbindung …


Die Künstlerbindungen müssen natürlich immer gepflegt werden! Aber wenn man seine Künstler nicht gut behandelt, dann hat man ohnehin ein Riesenproblem als Veranstalter. Und jeder Booker, der bei uns arbeitet, hält auch immer engen Kontakt mit den Bands und dem Umfeld, das ist uns extrem wichtig. Denn ohne zufriedene Künstler gäbe es unsere Produkte nicht …

 

Eine Frage im Namen der Unbedarften: Was macht das Highfield zum Highfield?


Das Highfield findet auf einem wunderschönen Gelände statt. Wir haben kurze Wege und einen hohen Service-Standard. Und wir haben den See und den ausgebauten Strand – das entspricht alles im Prinzip einem drei- bis viertägigen Urlaub. Es ist alles sehr besucherfreundlich durchkonzipiert und der Strand ist ein sehr wichtiger Faktor!

 

Der Festivalbesucher ist auch anspruchsvoller geworden …

 

Bei uns ist es ganz wichtig, dass unsere Festivals grün sind, dass wir Müll reduzieren, ökologisch arbeiten. Uns ist es auch wichtig, Speisen und Getränke auf gutem Niveau anzubieten. Wir haben auch das „Green Camping“, wo man nicht bis zum Hals im Müll sitzt ... Wir versuchen, auf alle diese Bedürfnisse einzugehen und erhöhen den Komfort und die Standards von Jahr zu Jahr.


Bei all der Fülle der Festival-Angebote fragt man sich auch wann der Sättigungspunkt erreicht ist?

 

Man hat ja dieses Jahr schon gesehen, dass verschiedene Veranstalter aus verschiedensten Gründen mit diversen neuen Festival-Ideen große Probleme hatten. Wenn man eine super Idee und ein neues Konzept hat und mit richtig Herzblut an das Projekt geht, dann hat man vielleicht eine Chance - aber es ist deutlich schwieriger geworden, in diesem fast gesättigten Markt Fuß zu fassen!

 

Es ist eben schwierig, das Rad noch einmal neu zu erfinden …

 

Das ist genau der Punkt. Man müsste es zumindest zur Hälfte neu erfinden, wenn man mit einer neuen, großen Sache in unserer inzwischen unheimlich weit gefächerten Festival-Landschaft Erfolg haben will …

 

Termin: 14.8.-16.8.2015 Grosspösna/Leipzig


aus event. Maiausgabe #144

 

FAITH NO MORE
Der ganz normale Wahnsinn

Von Marcel Anders. Sag niemals nie: 18 Jahre nach ihrer Trennung und sechs nach ihrer Reunion veröffentlichen Faith No More tatsächlich ein neues Album – und machen vieles anders bzw. besser als in den 80ern/90ern. Mit ihrem eigenen Indie-Label, Self- Management und zehn Songs, die so arty, so extrem und so komplex klingen, wie es die Fünf aus San Francisco immer wollten.

Was hat Euch veranlasst, Faith No More dann doch zu reformieren – obwohl Ihr Euch jahrelang dagegen gewehrt habt?

Billy Gould: Ich war leider nicht dabei, aber Roddy, unser Keyboarder, hat geheiratet. Und dazu hat er die gesamte Band eingeladen – obwohl wir uns zehn Jahre nicht mehr gesehen hatten.

Mike Patton: Bei der Hochzeit haben wir einfach nur geredet – aber nicht über Musik. Es waren alles persönliche Dinge und natürlich jede Menge Anekdoten. Eben: „Erinnert ihr euch noch an dies oder das?“ Es war ein bisschen wie alte Männer an einem Backgammon- Tisch in Zypern. Aber da wurden keinerlei Pläne geschmiedet. Billy: Zumindest haben wir wieder miteinander geredet und dabei ist uns bewusst geworden: „Verdammt, wir haben unser halbes Leben miteinander verbracht.“ Weshalb wir uns entschieden, uns wieder öfter zu sehen. Und dann haben wir uns irgendwann gedacht: OK, warum spielen wir nicht ein paar Shows?

Und zunächst sollte es auch nicht mehr sein?

Billy: Mehr stand nicht zur Diskussion. Ich denke, dass jeder von uns auch ein bisschen Angst davor hatte, wieder in diese Routine und diesen Zyklus zu verfallen, in dem wir ja schon mal festgesteckt hatten. Von daher hieß es: „Wir versuchen erst mal diese Konzerte und schauen, wie sie funktionieren.“ Es waren viele kleine Schritte über einen längeren Zeitraum verteilt.

Warum habt Ihr euch erst nach drei Jahren neuerlicher Funkstille zu diesem Album entschieden?
Billy: Ich für meinen Teil wollte von Anfang an ein Album machen. Also schon nach den ersten paar Shows. Aber ich kann verstehen, warum die anderen gezögert haben. Sie wollten erst mal sehen, ob sie auch 100-prozentig bereit dazu sind, also ob sie das auch wirklich wollen. Denn es ist ja nicht nur, dass man zusammen Musik macht, sondern damit gehen ja noch viele andere Dinge einher. Wie Promotion, mit dem Album auf Tour zu gehen und einiges mehr, das wir eben nicht als sonderlich positiv in Erinnerung haben – und wovon wir nicht wussten, ob wir uns noch einmal darauf einlassen möchten. Denn ein Teil von Faith No More zu sein, bedeutet auch mindestens ein Jahr keine Zeit für etwas anderes zu haben und nur dafür da zu sein. Und das Tolle ist halt: Wir haben uns trotzdem dafür entschieden.
Mike: Das Lustige ist, dass sie mir nichts davon erzählt haben. Also sie haben fast anderthalb Jahre an Songs gearbeitet und das regelrecht vor mir geheim gehalten. Wahrscheinlich, weil sie wussten, wie skeptisch ich da bin. Eben ob wir tatsächlich etwas zustande bringen, das nach vorne blickt und Relevanz hat. Das waren meine Zweifel. Und die kannten sie. Weshalb mich Billy einfach irgendwann zu sich nach Hause eingeladen und mir ein paar Sachen vorgespielt hat. Nach dem Motto: „Hör mal, woran ich gerade arbeite.“ Und ich dachte nur: „Das ist verdammt noch mal großartig.“ Als ich wissen wollte, wofür das ist, meinte er grinsend: „Das sind neue Faith-No-More-Songs.“

Was hat es mit den Priester-Outfits auf sich, die Ihr neuerdings auf der Bühne tragt?
Mike: Die sind doch klasse, oder? Und das ist eine weitere Sache, die uns diesmal sehr wichtig war. Nämlich: „Wir sollten es nicht nur genau so klingen lassen, wie wir wollen - es sollte auch genauso aussehen.“ Denn seien wir ehrlich: Darum haben wir uns nie groß gekümmert. Wenn eine Fotosession anstand, ist jeder so aufgekreuzt, wie er gerade Lust hatte. Also in zerschlissenen Jeans oder irgendeinem dämlichen T-Shirt. Aber diesmal sagten wir uns: „Wir brauchen einen bestimmten Look.“ Und die Priesteroutfits passen zu dem Album, das etwas Mysteriöses, Dunkles und Verschlagenes hat, das dir nicht gleich in den ersten fünf Minuten sagt, worum es da geht. Allein damit richtet es sich schon gegen die moderne Musik-Kultur.

 

Auf Tournee: 6.6. Berlin, 23.6. Hamburg


aus event. Maiausgabe #144

 

ROXETTE

„Die vergangenen fünf Jahre waren so eine Art Bonus!“

 

Von Thomas Reitmair. Das schwedische Pop-Duo feiert sein 30-jähriges Bestehen – natürlich auch mit einer Tournee, die Roxette nach Deutschland führen wird. Wir sprachen mit Per Gessle über drei Dekaden Roxette, samt Höhen und Tiefen. Und wissen jetzt, warum es sich lohnt, Schwedisch zu lernen.

 

Wie sehr bist Du von der Tatsache überrascht, dass es Roxette 30 Jahre nach der Gründung noch gibt? Eigentlich war es unser größter Traum, einmal außerhalb von Schweden aufzutreten. Vielleicht mal eine Clubtour durch Norwegen oder Deutschland zu absolvieren. Diesen weltweiten Erfolg hatten wir jedenfalls nie erwartet, wir wurden mit unserer außergewöhnlichen Karriere geradezu beglückt. Ich persönlich dachte allerdings, dass es mit der Band aus wäre, als Marie 2002 krank wurde – entsprechend waren die vergangenen fünf Jahre so eine Art Bonus. Wir sind wahrhaft dankbar für die positive Resonanz unserer Fans aus der ganzen Welt, die nach wie vor unsere Shows besuchen und Freude an unseren Songs haben. Das ist nicht selbstverständlich.

 

Warum, glaubst Du, ist Roxette immer noch so erfolgreich?

Unsere Wurzeln liegen in der Popmusik der 60erund 70er-Jahre, weshalb meine Songs sehr melodisch und fast schon zeitlos sind. Und es kommen jeden Tag neue Fans aller Altersgruppen hinzu. Das hat vermutlich mit unserem Sound, unseren Songs und Maries wundervoller Stimme zu tun. Und natürlich mit unseren Frisuren.

 

Wie ist deine Vorgehensweise, wenn Du Songs schreibst? Hat sich das in den vergangenen 30 Jahren geändert? Oder gibt es gar eine Per- Gessle-Song-Formel?

Nein, eine Formel gibt es nicht. Aber ich schreibe, wie ich schon sagte, in einer klassischen Songwriter- Tradition, die auf Melodien basiert. Das ist die Art zu komponieren, wie ich sie liebe, und ich könnte gar nicht anders arbeiten. Ich versuche aber immer auf dem Laufenden zu bleiben, bin neugierig und arbeite mit neuen Leuten, von denen ich neue Dinge lerne. Ich sehe mich immer mehr als Songwriter, weniger als Künstler.

 

Du hast für 2015 ein neues Album angekündigt. Kannst Du uns schon einen kleinen Ausblick geben und von der Arbeit an dem Album erzählen?

Nun, es klingt für mich sehr cool. Wir haben mit ein paar neuen Leuten zusammengearbeitet, um frisches Blut in das System zu bekommen. Die Hälfte des Albums ist bereits aufgenommen und einige Songs klingen ganz klassisch nach Roxette, andere wiederum ganz anders als alles, was wir vorher gemacht haben. Es fühlt sich gut an!

 

Du hast ja auch immer wieder Neben- und Soloprojekte am Laufen. Wie entscheidest Du, welche Songs bei Roxette landen und welche nicht?

Ich habe in der Tat immer mehrere Projekte, mit denen ich mich beschäftige, so bin ich nun mal. Für Roxette schreibe ich, wenn wir entschieden haben, dass wir jetzt etwas Neues ausprobieren wollen. In der Regel liegt mein Fokus immer ausschließlich auf dem aktuellen Projekt. Es gibt ja Songwriter, die „in die Arbeit“ gehen, und versuchen, während der „Bürostunden“ Lieder zu komponieren. So könnte ich nicht arbeiten. Ich schreibe nur dann, wenn ein Projekt gerade läuft, die Ideen dafür sammle ich aber ständig. Titel, Themen für die Songs, Melodien usw.

 

In Schweden bist Du als Solo-Künstler ja sehr erfolgreich, was der Rest Europas aber noch nicht so richtig mitbekommen hat. Woran liegt das?

Naja, das liegt vermutlich daran, dass die meisten meiner Solo-Sachen in Schwedisch gesungen sind. Ihr müsst Euer Schwedisch verbessern!!!

 

Du hast einmal gesagt, dass Roxette durch die Krankheit von Marie nie mehr dieselben sein werden. Wie hast Du das gemeint?

Habe ich das gesagt? Roxette ist heute grundsätzlich immer noch dasselbe - unser kleines Baby. Maries Krankheit hat allerdings dazu geführt, dass sie ein anderes Leben als früher führt, sie hat mit einem Auge und mit einem Bein Probleme. Aber singt sich immer noch die Seele aus dem Leib und ist unglaublich motiviert. Ich glaube, deshalb gibt es die Band überhaupt noch.

 

Eine schwierige Frage – aber hast Du zu irgendeinem Zeitpunkt einmal darüber nachgedacht, Roxette aufzulösen?

Nein, nicht wirklich. So lange wir zusammen Spaß daran haben zusammenzuarbeiten, machen wir weiter. Darauf sind wir natürlich sehr stolz. Und live aufzutreten wird immer ein wichtiger Teil von Roxette sein.

 

Was war der beste Moment in den vergangenen 30 Jahren?

Das waren so viele … Als wir das erste Mal Nummer eins in den USA waren, das war unglaublich. Oder in den riesigen Stadien in Südamerika zu spielen. Die Tourneen durch China, Russland, Südafrika und zu Hause im wunderschönen Europa. Mit den Menschen überall auf diesem Planeten zu kommunizieren ist etwas ganz Besonderes. Musik ist eine so kraftvolle Sache, wie kaum etwas anderes. Es ist großartig ein Teil davon zu sein, einen Song zu schreiben, der jemand anderes emotional bewegt.

 

Und was war der schlimmste Moment, abgesehen von Maries Krankheit?

Ich gehöre zu den Menschen, die sich nur an die schönen Dinge erinnern! Aber es gab da ein paar beängstigende Flüge, Erdbeben und übel besoffene Schlagzeuger.

 

Schweden ist ja eine außergewöhnliche Pop- Nation. Wie siehst Du Dich selber in diesem musikhistorischen Zusammenhang und Deinen Einfluss auf die aktuelle Szene?

Wir haben in den analogen Zeiten angefangen Musik zu machen, deshalb glaube ich nicht, dass unser Einfluss auf die aktuelle Musik-Szene so groß ist. Es ist heute eine andere Art der Musikindustrie, wo Songs auf Notebooks geschrieben und aufgenommen werden.

 

Wenn man an Popmusik aus Schweden denkt, denken die meisten Menschen immer sofort an ABBA. Wie schwer ist es, als schwedische Popband, stets an ABBA gemessen zu werden?

Ich finde es sehr schwer und ziemlich unnötig Bands, Songwriter und Sänger aus den verschiedenen musikalischen Ären zu vergleichen. Das Musikbusiness hat sich mit der Zeit sehr stark verändert. Ich persönlich finde gar nicht mal, dass ABBA der wichtigste schwedische Pop-Export- Artikel war, sondern Max Martin. Sein Einfluss auf die internationale Pop-Szene ist enorm, und seine Musik ist nach wie vor aktuell.

 

Auf Tournee: 24.6.-8.7. u.a. Köln, Hamburg, Berlin, Dresden

 


aus event. Aprilausgabe #143

 

BILLY IDOL

„Es war eine einzige Party“

 

Von Marcel Anders. Er war der Superstar der 80er. Doch dann führten Alkohol und Drogen zu einem Abstieg, von dem sich Billy Idol nie erholte. Erst jetzt – mit Ende 50 – startet er ein aussichtsreiches Comeback und betreibt eine denkwürdige Form von Selbsttherapie. Motto: Er bereue nichts, sondern habe es allenfalls ein bisschen übertrieben. 


 

Billy, Mitte Oktober ist nicht nur Dein erstes Album seit neun Jahren erschienen, sondern auch Deine Autobiographie „Dancing With Myself“. Was ist das für ein Gefühl, Dein Leben Revue passieren zu lassen?

Es ist schon heftig, sich all die Fehler vor Augen zu führen, die man so begangen hat. Vor allem, wenn sie so übel waren, wie meine. Wobei ich erst beim Schreiben erkannt habe, wie heftig meine Probleme wirklich waren. Denn eigentlich waren Drogen immer ein großer Spaß für mich. Es ist nur so, dass sie auf lange Sicht dafür sorgen, dass du entweder draufgehst, verrückt wirst, im Knast endest oder – wenn es ganz mies läuft – in der Entzugsklinik landest. Und nichts davon erscheint mir sonderlich erstrebenswert. Dabei war es immer so, dass ich für den Rock´n´Roll gelebt habe. Und da gehören Drogen einfach dazu. Die Sache ist nur, dass die irgendwann ihren Tribut fordern. Im Sinne von: Es gibt eine Art Flitterwochen-Periode, die auch eine Weile anhält und dir durchaus hilft, deinen Horizont zu erweitert. Aber in den 90ern musste ich doch etwas kürzer treten. Einfach, weil ich Kinder hatte und kein Junkie-Vater sein wollte.

 

Das klingt, als würdest Du im Grunde nichts bereuen …

Nein, gar nichts. Es ist nur so, dass ich inzwischen begreife, dass Drogen die Musik zwar bis zu einem gewissen Maße gefördert, aber auch blockiert haben. Das Problem ist allerdings, dass ich mich nie wirklich davon lösen kann. In dem Sinne, dass ich immer anfällig dafür sein werde. Genau wie für Alkohol oder Sex. Eine Line, ein Bier und einen Blowjob können mich immer noch glücklich machen. Insofern bin ich längst nicht clean. Ich rauche zum Beispiel noch Pot, versuche aber, da nicht zu sehr über die Stränge zu schlagen.

 

Obwohl Du ein paar Mal kurz vor dem Exitus gestanden hast?

Drei- oder viermal war es wirklich verdammt knapp. Wobei der Motorradunfall von 1990 wohl am Schlimmsten war. Trotzdem habe ich diese Warnungen nicht erst genommen – bis ich 1994 eine Überdosis GHB genommen habe. Ein Steroid, das ganz legal erhältlich war – ironischer Weise in Läden für gesunde Ernährung. (lacht) Es hat dafür gesorgt, dass du tagelang ohne Schlaf durchmachen konntest, was toll war. Aber wenn du zu viel genommen hast, bist du ins Koma gefallen, und die Ärzte wussten nicht, was mit dir los ist. Weshalb ich regelmäßig in der Notaufnahme aufgewacht bin. Und beim Öffnen der Augen diese verdammten Krankenhausdecken zu sehen, ist der pure Horror. Nach dem Motto: „Nicht schon wieder!“ Das war der Moment, als die Hochzeitsphase vorbei war.

 

Du gehst stramm auf die 60 zu. Wie gehst du mit dem Alter um?

Wie jeder andere: Ich habe eine Scheiß-Angst davor. (lacht)

 

Darf man fragen, wie Du Dich fit hältst?

Ich trainiere regelmäßig. Und das seit ich 1987 nach Los Angeles gezogen bin. Ich habe da einen Deal mit mir selbst geschlossen: Wenn ich trainiere, kann ich auch Drogen nehmen. Das war die geniale Idee. (lacht) Und deshalb ist beides lange Hand in Hand gegangen. Ganz allgemein kümmere ich mich aber sehr um mein Aussehen. Einfach, weil es mir wichtig ist, den Songs auch körperlich gerecht zu werden. Also mit der Energie, die sie brauchen.

 

Im Internet kursiert eine Liste aller Frauen, die du über die Jahre gebettet haben sollst

Im Ernst?

 

Sie reicht von Pornostar Ginger Lynn bis zu Schauspielerin Julia Roberts.

Von Julia Roberts wusste ich noch gar nichts. Das ist interessant. Aber OK, es gibt viele Dinge, an die ich mich nicht erinnere. Und manchmal ist das schon ein bisschen schade. (lacht)

 

AUF TOURNEE

 


 aus event. Märzausgabe #142

 

JESPER MUNK

„Man lernt, ohne es zu merken“

 

Von Thomas Reitmair. Es kommt eher selten vor, dass einer Interviewanfrage positiv beschieden wird, wenn der Künstler gerade im wohlverdienten Urlaub weilt. Jesper befindet sich zum Zeitpunkt des Gesprächs in Goa, aber er hat richtig Bock über sein neues Album „Claim“ zu reden und präsentiert sich als sympathischer Vollblutmusiker, dem sein steiler Aufstieg in den vergangenen beiden Jahren überhaupt nicht zu Kopf gestiegen ist. 

 

Das zweite Album, in Deinem Fall „Claim“, gilt ja gerne als „problematisch“, vor allem wenn der Erstling so ein Erfolg war. Wie bist Du an die Sache herangegangen?

Ich habe während der Produktion weder Druck noch Probleme empfunden. Bei mir war das schon immer so, es kommt oder es kommt eben nicht. Wenn ich mir selber Druck aufbaue, dann passiert entweder gar nichts oder ich bin mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Die Songs kommen, wie die Erfahrungen kommen und die Einflüsse kommen und im Moment bin ich mit dem Ergebnis wirklich glücklich. „Claim“ ist eine Fortführung des ersten Albums geworden, aber viel intensiver, sowohl was die ruhige als auch die harte Seite betrifft. Und natürlich war es super, mit Leuten wie Mocky (Produzent u.a. von Feist und Jamie Lidell) oder Jon Spencer zu produzieren. Speziell Spencer ist ein großes Vorbild von mir.

 

Erzähl doch bitte ein wenig über die Arbeit mit den beiden …

Beide nehmen vollkommen verschieden auf. Bei Jon Spencer in New York haben wir auf Tonband aufgenommen und wie die Wahnsinnigen einfach alles live reingedroschen. Und bei Mocky in L.A. war alles sehr gemütlich und entspannt, aber jeder wusste genau was er da tut. Das war auch das erste Mal, dass ich mit einer anderen Band als mit meiner eigenen gespielt habe.

 

War das ein Problem?

Nun, da saßen so drei junge Burschen, alle Anfang zwanzig, und wenn die anfangen zu spielen, dann merkst Du sofort, wie krass die drauf sind, also auf der musikalischen Ebene. Das hat dann innerhalb eines halben Tages super funktioniert und ich war wirklich der einzige der Fehler gespielt hat – zu meinen eigenen Songs (lacht). Als ich die Aufnahmen mit nach Hause gebracht hab‘, waren jedenfalls alle begeistert. Mocky und Jon haben beide auf ihre Art und Weise die Essenz der Songs herausgefiltert. Ich hatte am Anfang ein wenig Angst davor, quasi die Verantwortung für meine Songs abzugeben, aber die haben da Dinge gespürt und gesehen, die ich selber nicht gesehen hab‘.

 

Angesichts der kommenden Tour: Wie hat sich eigentlich der Entertainer Jesper Munk entwickelt?

Ich muss sagen, dass der Zugang zu dem Entertainer-Ding für mich immer schwierig war. Ich wollte immer, das mein Zeug ehrlich und direkt kommt und sonst gar nichts. Entweder die Leute stehen auf die Musik oder eben nicht. Aber natürlich habe ich ein Interesse daran, dass die Liveshows immer besser werden und live spielen bedeutet ja auch immer Veränderungen. Man sieht und spürt immer neue kleine Dinge und man adaptiert irgendwelche Kleinigkeiten, zum Beispiel Gesten, ohne dass es einem wirklich bewusst wird. Ich denke schon, dass ich inzwischen präsenter geworden bin, das hat aber immer noch nichts damit zu tun, dass ich eine Show abziehe. Man lernt aus seinen Erfahrungen, ohne es wirklich zu merken.

 

Von Jon Spencer könnte man vielleicht lernen, einfach eine coole Sau zu sein …

(lacht) … ich glaube nicht, der ist ein Original. Jon kommt im ersten Moment ja ziemlich schroff und trocken rüber, aber dahinter steckt ein total herzlicher Mensch. Und das kann man nicht lernen …

 

AUF TOURNEE


aus event. Februarausgabe #141


NOEL GALLAGHER

 

Von Marcel Anders. Die Trennung von Beady Eye könnte den Weg für ein Oasis-Comeback ebnen. Doch Noel Gallagher bleibt hart: Er veröffentlicht lieber sein zweites Solo-Album „Chasing Yesterday“ und erteilt der Vergangenheit eine deutliche Absage. Die britische Presse spricht über „Space Jazz“-Momente in Ihrem neuen Album.

 

Was ist damit gemeint?

Für mich ist „Space Jazz“ eine Art psychedelischer Jazz, wie ihn beispielsweise Leute wie Sun Ra zelebriert haben. Aber bei Oasis haben wir den Begriff benutzt, wenn uns die britische Presse mit Vorwürfen kam wie: „Als Künstler entwickelt ihr euch kein bisschen weiter.“ Worauf wir meinten: „Was erwartet ihr von uns? Etwa verfickten Space Jazz?“ Und auf dem Album findet sich ein Stück, bei dem eine Bassklarinette zum Einsatz kommt. Ein weitestgehend unbekanntes Instrument, das z.B. auf „Dark Side Of The Moon“ oder „Wish You Were Here“ zu hören ist und das mir nicht geläufig war, bis mich ein Jazzmusiker darauf aufmerksam gemacht hat. Dann haben wir einen Typen engagiert, der das spielt und auf dem Stück „The Right Stuff“ so richtig abgegangen ist. Ich finde das Ergebnis umwerfend. Einfach, weil es so weit weg von „Supersonic“ ist, wie es nur sein könnte.

 

Eine Idee bzw. ein Ansatz, der Ihnen angeblich bei einer Fernsehen-Doku über Nazis gekommen ist, die im Zweiten Weltkrieg Dinosaurier gezüchtet haben. Stimmt das?

Nein, das war eine andere Sendung, die ebenfalls weit nach Mitternacht lief. Aber es war das Unglaublichste, was ich je gesehen habe: Eine einstündige Dokumentation über Nazi-Wissenschaftler, die versucht haben, den Dinosaurier zu neuem Leben zu erwecken und ihn als Kriegsmaschine einzusetzen. Ich meine, wer dreht so einen Blödsinn – und wer strahlt ihn aus? Klar, habe ich da um zwei Uhr morgens gesessen und mich prima unterhalten gefühlt. Einfach, weil das ein solcher Schwachsinn war, dass ich Tränen gelacht habe. Aber Tatsache ist doch, dass jemand Geld dafür ausgegeben hat. Und sich ein halbwegs intelligenter Mensch Gedanken gemacht haben muss: „Ich habe eine Idee für eine TV-Show – Nazi-Haie! Oder Nazi-Dinos!“ Da kann man sich nur an den Kopf packen, einfach weil so viel Irrsinn unfassbar ist.

 

Vielleicht sollte der Regisseur auch die Oasis-Dokumentation übernehmen, die seit längerem im Gespräch ist…

(lacht laut) Dafür wäre er perfekt – der ideale Mann. Aber diese Sendung war unglaublich. Und deswegen war ich auch so fasziniert davon. Nach dem Motto: „Wer schreibt solche Drehbücher?“ Das kann nur ein Geisteskranker sein! Insofern: Ja, den Mann sollte man unbedingt für die Oasis-Doku verpflichten. Demnach wird es wirklich eine geben? Oh ja! Einfach weil 2016 der 20. Jahrestag unseres Knebworth-Auftritts ist. Und weil wir ein Haufen Verrückter sind, haben wir glatt vergessen, dass wir das Ganze gefilmt haben. Also mit 20 Kameras und jeder Menge Drumherum. Wie die Anreise der Fans, Backstagesequenzen, Interviews und Rundflügen über das Gelände. Was wir nie veröffentlicht haben. Keine Ahnung, warum. Aber wir haben uns entschieden, dass 2016 ein guter Zeitpunkt wäre, um das zu tun. Denn Knebworth war der Höhepunkt unserer Karriere. Und wir sind der Meinung, dass das 20jährige ein guter Anlass wäre, um das aufzurollen oder um die Geschichte von Oasis zu erzählen – und es dann auch dabei zu belassen. Insofern kommen da eine Dokumentation und ein Live-Album.

 

Wäre das nicht der perfekte Moment, um Ihre Autobiographie zu veröffentlichen?

Ich glaube nicht, dass ich das jemals tun werde. Also, weil ich nicht die Ruhe habe, um mich hinzusetzen und das alles aufzuschreiben. Ganz abgesehen davon will ich das auch gar nicht. Wie meinen Sie das? Nun, ich möchte den Leuten nicht die Illusionen über mich bzw. über Liam undOasis nehmen. Sie müssen nicht jedes Detail wissen und auch nicht erfahren, wie das wirklich war – sie sollen uns so in Erinnerung behalten, wie sie glauben, dass wir sind. Mit den ganzen My then, den irren Geschichten und den Unwahrheiten. Das finde ich viel spannender, als ob man alles auf einem goldenen Tablett serviert kriegt und sich dann wundert: „Ach so, das war´s? Mehr ist da nicht? Wie langweilig!“ Damit würden wir viel von unserer Legende zerstören. Insofern ziehe ich es vor, wenn die Leute auch weiterhin meinen, es hätte einen Britpop-Krieg oder was auch immer gegeben. Selbst wenn das kompletter Schwachsinn ist. Aber es macht sich natürlich besser als die Wahrheit. Eben als die Tatsache, dass wir gute Freunde waren und uns über den ganzen Medien-Mist köstlich amüsiert haben.

 

Stimmt es Sie denn kein bisschen nachdenklich, dass Beady Eye nach nur zwei Alben gescheitert sind?

Doch, das war ein ziemlicher Schock. Eben, dass diese Band, die aus wirklich guten Musikern bestand und eine gewisse stilistische Nähe zu Oasis hatte, einfach so durchgefallen ist. Wofür es nur zwei Erklärungen geben kann: Entweder haben die Leute die Nase voll von Liam und seinen dummen Sprüchen oder die Zeit hat sich geändert und dieser Sound ist schlichtweg out. Was ein guter Indikator für mich ist, nicht in dieselbe Richtung zu gehen, sondern mich für neue Einflüsse, Ideen und Klänge zu öffnen. Was ich versuche. Denn ihr Misserfolg hat mir gezeigt, dass es tödlich sein kann, wenn man einfach stehenbleibt und sich selbst kopiert. Das kann man sich heutzutage nicht mehr leisten, weil die Zeit zu schnelllebig und die Konkurrenz zu groß ist. Weshalb ich mich wirklich bemühe, ein bisschen was anderes zu machen bzw. neue Sachen auszuprobieren.

 

Und es gibt kein Zurück – nicht einmal für alles Geld der Welt?

Puh, ich denke, jeder Mensch hat seinen Preis. Und auch ich würde wahrscheinlich schwach werden, wenn man mir eine bestimmte Summe bietet.

 

Wie hoch wäre die?

500 Millionen Pfund in bar. In kleinen, nicht nummerierten Scheinen. (lacht) Da würde ich nicht nein sagen können. Der Punkt ist nur: Bislang war noch niemand bereit, mir eine solche Summe zu bieten. Und er müsste ja auch noch den Rest der Band überzeugen.

 

Wobei Liam es angeblich sogar umsonst machen würde.

Das habe ich auch gehört. Aber es ist doch klar, was passiert, wenn er erfährt, wie viel Geld ich dafür kriege – dann will er es auch. Was das Ganze noch unrealistischer macht. Also: Schwamm drüber.

 

Was hat es mit dem Albumtitel „Chasing Yesterday“ auf sich? Schwingt da nicht doch eine gewisse Nostalgie mit?

Um ehrlich zu sein: Ich hatte einfach keinen Titel für das Album und irgendwann kam halt der Anruf von meinem Büro: „Wir brauchen dringend einen Namen dafür – bis heute 15 Uhr.“ Darauf ich: „Wie spät ist es?“ Und sie: „13 Uhr“. – „Mist, ich kümmere mich drum.“ Was mir gar nicht so leicht fiel, weil ich an dem Tag einen fürchterlichen Kater hatte. Ich entschied mich dann, einfach die Songtexte durchzugehen, um zu sehen, ob etwas Passendes dabei wäre. Und in einem Stück war tatsächlich eine Strophe, in der es heißt: „We let love get lost in anger chasing yesterday.“ Das Sentimentale an dieser Zeile ist, dass da jemand sagt: „Lass uns aufhören, nach dem Gestern zu jagen und nach vorne blicken.“ Im Sinne von: „Erinnern wir uns nicht mehr an den ganzen Streit, den wir hatten, sondern versuchen wir, das Beste aus Gegenwart und Zukunft zu machen.“ Was ich für eine tolle Sache halte, und weshalb ich die Formulierung als Titel gewählt habe. Wobei mir allerdings nicht bewusst war, dass „Chasing Yesterday“ alleine – also ohne den ganzen Rest – nur noch halb so toll klingt. Sprich: Es ist nicht so, als würde ich den Titel hassen, aber richtig toll finde ich ihn auch nicht. Nur: Es gibt schlechtere – wie zum Beispiel „(What´s The Story) Morning Glory“. Das ist der Schlimmste.

 

Wie lange wollen Sie sich das Musikgeschäft noch antun?

Das ist eine gute Frage, auf die ich keine Antwort habe. Ich meine, ich habe ja nichts anderes gelernt …

 

AUF TOURNEE


aus event. Januarausgabe #140

 

ADORO

 

Von Thomas Clausen. Mit ihren vielfach ausgezeichneten Klassik-meets-Pop-Interpreta-tionen haben sich Adoro in den vergangenen Jahren zu einer der beliebtesten Bands innerhalb der deutschsprachigen Musik-landschaft hoch gesungen – mit ihrem brandneuen Album wagen die Opernsänger Peter Dasch (Bassbariton), Nico Müller (Bariton), Jandy Ganguly (Bariton) und Assaf Kacholi (lyrischer Tenor) nun etwas ganz Neues: Auf „Nah bei dir“ entführt das Quartett sein Publikum in die goldene Ära des amerikanischen Swing. Adoro: Eine ganz eigene Interpretation von „Late Night Jazz“ - demnächst auch live auf deutschen Bühnen!

 

 

2013 habt ihr mit „Das Beste“ eine Werkschau über euer mittlerweile siebenjähriges Schaffen veröffentlicht; „Nah bei dir“ beinhaltet nun wieder ganz neues Material. Ist es schwer, sich wieder in diese ganz besondere „Adoro-Welt“ zu begeben?

Peter Dasch: Nein, überhaupt nicht. Wir haben uns nach der Veröffentlichung der Best Of ein wenig frei gemacht, uns in Arbeit abseits von Adoro gestürzt oder einfach Urlaub gemacht. Viel Musik gehört, resümiert und nach Inspirationen außerhalb der Band gesucht. Als wir uns dann wieder trafen, war sofort die alte Vertrautheit zwischen uns wieder da und wir fingen an, unsere verschiedenen Ideen auszutauschen.

 

Für „Nah bei dir“ konntet ihr euch scheinbar alle auf das große Thema „Jazz und Swing“ einigen ...

Peter Dasch: Wobei wir selbst eigentlich gar nicht wissen, wie wir diese Mischung nennen sollen, da es ja immer noch ein Album in unserem typischen Adoro-Stil bleibt. Wir wollten uns ein wenig diesem amerikanischen Late Night-Entertainment der 50er- und 60er-Jahre nähern; Sinatra, Dean Martin, Sammy Davis Jr. und all diese großartigen Künstler. Ein Swing-Album auf klassische Art. Das Schöne ist, dass wir uns auf diese Weise auch ein Repertoire integrieren können, das mit unserer Stilistik zuvor eher schwierig zu vereinbaren war.

 

Wobei es auf dem neuen Album nicht nur Songs aus den 50ies und 60ies von Louis Armstrong oder Charles Chaplin gibt, sondern auch extrem „junge“ Stücke wie Sportfreunde Stillers „Applaus, Applaus“, Peter Fox’ „Haus am See“ oder Tim Bendzkos „Nur noch kurz die Welt retten“...

Peter Dasch: Auch das ist das Wunderschöne an dieser Band – Stücke aus unterschiedlichen Epochen so nahtlos vereinen zu können. Es gab Listen mit Songs, die es aus verschiedenen Gründen bisher noch nicht auf unsere Platten geschafft haben und die wir nun endlich auf unsere Weise interpretieren konnten.

 

Darf man auch davon ausgehen, dass ihr euch mit „Nah bei dir“ ganz titelgetreu bei den anstehenden Konzerten ganz hautnah und intim geben werdet?

Peter Dasch: Genau deswegen der Titel! Wir haben uns ganz bewusst dazu entschieden, diesmal schönere und kleinere Konzerthäuser auszuwählen. In Frankfurt sind wir zusammen mit unserem Orchester und einer kleinen Swingband zum Beispiel in der Alten Oper zu sehen; ein extrem schöner Saal, in dem wir schon einmal aufgetreten sind und der perfekt geeignet ist, unser Publikum mit auf eine Reise in unsere Welt zu nehmen.

 

 

AUF TOURNEE